Zum Abdruck des Offenen Briefes zur “sprachlichen Gleichbehandlung” in den “Wiener Sprachblättern”

Falschmeldungen und Gerüchte haben in den letzten Tagen die Behauptung verbreitet, die „Wiener Sprachblätter“ bzw. der herausgebende Verein „Muttersprache“ stünden hinter der Initiative eines von zahlreichen namhaften Persönlichkeiten, vielen Lehrern und Wissenschaftlern unterzeichneten Offenen Briefes zum Thema „sprachliche Gleichbehandlung“, der in den österreichischen Medien zuletzt für Aufregung sorgte. Weil mit dieser unrichtigen Behauptung die offensichtliche Absicht verbunden war, die Initiative selbst in den Verdacht des „Rechtsextremismus“ zu rücken und zu disqualifizieren, erging die folgende Richtigstellung des Schriftleiters der „Wiener Sprachblätter“. Sie wurde auch einigen in dieser Angelegenheit agierenden Zeitungen, insbes. dem „Falter“ und dem „Standard“, vorab zur Kenntnis gebracht:

 

Von verschiedenen Seiten wurde ich auf den Umstand angesprochen, dass der dieser Tage in den Medien aufgeregt diskutierte Offene Brief an die Bundesminister Heinisch-Hosek und Mitterlehner in der Sache des ÖNORM-Entwurfes zur „sprachlichen Gleichbehandlung“ auch in den „Wiener Sprachblättern“ abgedruckt wurde. […] Ich möchte aber allen Spekulationen, die sich von politisch-kritischer Seite an diesen Umstand knüpfen könnten und die ich leider hinter dem Interesse einiger journalistischer Anfragen vermuten muss, von Haus aus auf das Schärfste entgegentreten:

Dass die „Wiener Sprachblätter“ den Brief wiedergegeben haben, geschah ausschließlich zum Zwecke der dokumentarischen Verbreitung in einem an sprachkulturellen Angelegenheiten interessierten Lesepublikum. Die „Sprachblätter“ sympathisieren zwar inhaltlich bis zu einem gewissen Grad mit dem Vorhaben, das sich in dem Brief ausdrückt, aber sie gehören dezidiert nicht zu den Trägern der Initiative. Sie haben den Brief weder inhaltlich noch organisatorisch begleitet oder sein Zustandekommen propagiert. Dass der Abdruck in den „Sprachblättern“ schon ein paar Tage vor dem Bekanntwerden durch APA und Tageszeitungen erfolgte (unser Heft wurde um den Monatswechsel an die Abonnenten ausgeliefert), geht allein auf ein ärgerliches Versehen zurück. Ein „Vorabdruck“ oder „Erstdruck“ war von der Redaktion überhaupt nicht beabsichtigt, sondern ergab sich nur durch eine im letzten Moment vorgenommene Verschiebung des ursprünglich von den Initiatoren ins Auge gefassten Veröffentlichungstermins, worauf die Drucklegung nicht mehr rechtzeitig reagieren konnte.

Es wäre also in höchstem Maße konstruiert, den Vertretern der Briefinitiative insgesamt ein besonderes Naheverhältnis zu den „Wiener Sprachblättern“ zu unterstellen oder umgekehrt die „Wiener Sprachblätter“ bzw. den herausgebenden Verein „Muttersprache“ zur treibenden Kraft im Hintergrund zu stilisieren. Daher gibt es auch keinerlei gemeinsame politisch-ideologische Absichten oder Kontexte. Abgesehen davon legen die „Wiener Sprachblätter“, jedenfalls seit sie unter meiner redaktionellen Verantwortung erscheinen, äußersten Wert darauf, unter keinen Umständen mit einer deutschtümelnden, völkisch-nationalen oder sonstwie „rechten“ Spielart von „Sprachpflege“ in Verbindung gebracht zu werden. Ich verweise in dieser Hinsicht u. a. auf meine Vorbemerkung zu der jüngsten Ausgabe, worin dies im Zusammenhang mit der Binnen-I-Diskussion neuerlich klar herausgestellt wird. Auch für den Vorstand des Herausgebervereins ist die Äquidistanz zu den politischen Parteien und ein antinationalistischer, antitotalitärer Konsens eine Selbstverständlichkeit, wie Ihnen die (seinerzeit auch von der APA transportierte) Stellungnahme aus Anlass der Kampagne gegen den „Anglizismen-Index“ im Vorjahr eindeutig vor Augen führen kann. Es sollte dies eigentlich nicht mehr der Hervorhebung bedürfen.

Ich darf also nachdrücklich um Fairness und Objektivität im journalistischen Umgang ersuchen. Üben Sie inhaltliche Kritik und machen Sie Ihre abweichende, gegenteilige Meinung geltend, aber benützen Sie bitte die „Wiener Sprachblätter“ nicht, um hier eine rechtsextreme Gefahr zu beschwören! Und messen Sie die „Sprachblätter“ selbst nicht an Behauptungen und Unterstellungen über ihr vermeintliches Umfeld, sondern daran, was in ihnen tatsächlich geschrieben wird!

Dr. Christoph Fackelmann

Schriftleiter der „Wiener Sprachblätter“