Beisl“ vs. „Pub“: Anglizismen-Index mit Wiener Beteiligung 4. April 2013 | 10:19 | (DiePresse.com)

APA0112 5 KI 0461 CI / XI                                 Do, 04.Apr 2013

Sprache/Sprachwissenschaften/Sachbücher/Wien

Vom Pub zum Beisl: Österreichische Beteiligung an Anglizismen-Index

Utl.: 7.000 englische Begriffe erklärt und eingedeutscht – Wiener Verein Muttersprache Mitherausgeber des aktuellen Index

Wien (APA) – Statt „joggen“ hören sie lieber „dauerlaufen“ oder „freizeitlaufen“, „junk food“ ist schlicht „Schundfraß“: Der Verein Deutsche Sprache hat es sich mit dem „Anglizismen-Index“ zum Ziel gesetzt, Anglizismen in der deutschen Sprache ausfindig zu machen, zu bewerten und wenn möglich deutsche Begriffe oder Synonyme zu liefern. Wenn dann aus dem britischen „Infopoint“ die „Auskunft“, aus den „Wastwatchers“ die „Müllstreife“ wird und der österreichische „Diskonter“ den amerikanischen „discounter“ ersetzt, wird auch der Beitrag Österreichs zu dem Projekt klar. Erstmals wirkt bei der soeben erschienenen neuen Auflage 2013 der Wiener Verein Muttersprache auch als Mitherausgeber mit.

„Wir wollen und können keine Worte verbieten“, erklärt der Geschäftsstellenleiter des Vereins Muttersprache, Norbert Prohaska, im Gespräch mit der APA. Der Index ist keine Verbotsliste (wie im Vatikan) sondern eine Reihung, Auflistung von kleinen und großen Sprachsünden. „Wir wollen deutsche Begriffe anregen, vorschlagen oder selbst schaffen, um der uferlosen Veranglisierung der deutschen Sprache Einhalt zu gebieten“, so Prohaska. Dass sich der Verein an dem Projekt beteiligt, sei nur logisch: „Probleme der deutschen Sprache beschränken sich ja nicht auf Berlin und Bern. “

Der neue Band versammelt über 7.000 solcher englischer Begriffe von „abcashen“ bis „Zuckerflash“ und teilt sie in drei Kategorien:

1.) Wörter, die das Deutsche ergänzen, und

2.) jene die differenziernen, also eine zusätzliche „Farbe“ ins Deutsche bringen. Beide können auch als Bereicherung des Deutschen verstanden werden: „Disco“ (Tanzlokal) oder „PC“ (Arbeitsplatzrechner) – sie werden weniger kritisch betrachtet. „Junkmail“ und „Overkill“ differenzieren.

3.) Die größte Gruppe (79%) ist aber jene, die die deutsche Begriffe verdrängt. „Downloaden“, „infopoint“, „Ticket“, „Airport“, „User“, „workaholic“ (Arbeitssüchtiger) u. v. a.

Egal welche Kategorie, für jedes englische Wort gibt es deutsche Begriffe bzw. zumindest Übersetzungen und Erklärungen. „Baby“ (Säugling) oder „Cocktail“ (Mixgetränk) sind leichte Übungen.

Für einige Begriffe hätte Prohaska gerne eigene Österreichvarianten: „Kraxlradl“ statt „Mountainbike“ etwa. Im Index findet sich dann aber doch nur das schlichtere „Bergfahrrad“. Besonders sinnlose Anglizismen im Alltag stören den Sprachliebhaber. „Warum muss man auch in sehr ländlichen Regionen ‚Tickets‘ kaufen, mit dem ‚City Express‘ fahren oder in Nachrichtensendungen Kaffeehäuser ‚ranken‘? Das ist reine Sprachprotzerei und manches Mal auch Fachidiotentum.“ Etwa bei Berufsbezeichnungen in Stellenanzeigen.

Der „Anglizismen-Index“ entsteht in Zusammenarbeit des Vereins Deutsche Sprache in Paderborn mit dem Sprachkreis Deutsch in Bern und nun auch dem Verein Muttersprache in Wien. Eine Kooperation und Vorschläge aus Österreich gibt es allerdings schon seit mehreren Jahren. Österreichische und Schweizer Ausdrücke werden im Index extra gekennzeichnet. Der gesamte Index ist auch online abrufbar.

Gerhard H. Junker/Myriam Grobe (Hg.): „Der Anglizismen-Index“, IFB Verlag Deutsche Sprache, 316 Seiten, 15 Euro; www.muttersprache.at


Dieser Beitrag wurde unter Archiv veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.