„Schi“oder „Ski“? Beides erlaubt, sagen die Hohepriester des „Dudens“ (Die Presse, 2. Februar 2013)

[WIEN/HWS] Lange Zeit war’s ein Streit um des Kaisers Bart: Schi oder Ski? In den Anfängen ging es um Ideologie, wie Erwin Mehl (siehe Kasten) belegt. Seine Zeitschrift „Muttersprache“, die er gegründet und bis zu seinem Tod im hohen, rüstigen Alter betreut hat, zeugt noch heute von seiner Emsigkeit. Er befand in der Zwischenkriegszeit, dass „Ski“undeutsch wirke, so ließ er nur „Schi“zu. Daran hielt er zeitlebens fest. Nun, im Deutschen fand man leicht einen Kompromiss, indem man „Ski“schreibt und „Schi“ sagt.

Zitate aus der Pionierzeit des Skilaufs

Erwin Mehl (1890–1984) war in der Zwischenkriegszeit der erste und bedeutendste österreichische Sportwissenschaftler. Ab 1923 leitete er die Wiener Universitätsturnanstalt. Seine Lehrbücher sind heute noch Standard, auch wenn sein umfassendes Werk „Grundriss des Deutschen Turnens“(1922) vom Zeitgeist überholt worden ist. Mehl etablierte das neue Fach „Sportgeschichte“ und lehrte bis 1948.

Die Ski. „Gute Schneeschuhe sollen aus gutem Holz mit entsprechender Faserung sein, gut federn, nicht seitlich verzogen oder windschief sein, trocken sein (zur Prüfung ein kleines Loch bohren, Späne müssen sich leicht abreiben), keine Sprünge haben, einen guten hellen Lack haben (mit dem Messer einen kleinen Kratzer machen) . . .“

Das Holz. „Das gebräuchlichste Holz ist breitfaserige Esche. Widerstandsfähiger ist Hickory, das sich vortrefflich für Sprungbrettel eignet. Für Fahrtenbrettel ist es sehr schwer. Dafür ist das sehr leichte, aber doch äußerst zähe Holz der schwedischen Birke am empfehlenswertesten. Die Brettel sind sehr leicht, stets glatt und brechen schwer. Sie müssen allerdings gehärtet werden. Weißbuche ist billig und besser als ihr Ruf. Rotbuche trocknet schlecht. ( . . . ) Gegen das Abfahren der Kanten verwendet man die Lettnerschen Stahlstreifen . . .“

Die Stöcke. „Zum Lernen und für Fahrten bedient man sich heute fast ausschließlich des Doppelstockes. Jedoch muss gesagt werden, dass unter gewissen Gelände- und Schneeverhältnissen die feste Alpenlanze Zdarskys bessere Dienste tut. Man schaffe sich daher beides an. Infrage kommen Hasel-, Bambus-, Pfefferrohr, auch Esche. Langläufer benutzen heute ausnahmslos kurze Stöcke, Alpenwanderer längere. Für das Schwingen am Steilhang, bei Um- und Drehsprüngen sind lange Stöcke entschieden von Vorteil. Der Zdarsky’sche Bergstock ist aus Bambus, ohne Schneeteller und hat eine feste Spitze von 8 cm Länge (so lang wegen des Brettelabputzens) . . .“

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